Heimleitung

Unser Pflegekonzept

Tatsache ist, dass der Großteil der Bewohner/innen oft lange Zeit ihres Lebens in unserem Alten- und Pflegeheim verbringen.  Dabei möchten wir ihnen nicht unsere Routine und eingefahrenen Arbeitsabläufe aufzwingen, sondern:

  1. ihre persönlichen Bedürfnisse, Gewohnheiten und sozialen Kontakte 
  2. ihre individuellen Pflegeprobleme und die verbliebenen Selbstpflegefähigkeiten

 

zum Ausgangspunkt unserer Pflege machen. Dazu benötigen wir alle Informationen, die zur Förderung, Betreuung und Behandlung des Bewohners erforderlich sind.
Deshalb werden im Rahmen des Pflegeprozesses eine Biographie und die Pflegeanamnese erstellt.

Unser Pflegemodell:

Für die Erhebung der Pflegebedürftigkeit und der Planung der Pflegemaßnahmen gehen wir nach den "Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen der Lebens" (AEDL'S) nach Prof. Monika Krohwinkel vor.

Dies ist ein hervorragendes Instrument für die stationäre Altenpflege. Es hilft den Pflegepersonen, auch jene geistig-seelischen und psychosozialen Befindlichkeiten unserer Klienten zuverlässig wahrzunehmen und zu dokumentieren, die für das Gelingen der Pflege förderlich oder hinderlich sein können - und denen wir als Pflegende oft hilflos gegenüber stehen.


Das Pflegemodell nach Monika Krohwinkel
= „Das Modell der fördernden Prozesspflege“

Das Modell nach Krohwinkel ist ein personenbezogenes, fähigkeits- und förderorientiertes System und weniger an Defiziten orientiert.

Oberstes Ziel:
Der Mensch soll seine Bedürfnisse entwickeln können und mit seinen Fähigkeiten umgehen lernen.
Voraussetzungen der Pflegepersonen: gründliche Beobachtung, empathisches Zuhören, alle am Prozess beteiligten müssen die Gestaltung der prozessfördernden Pflege sichern.

Vita von Monika Krohwinkel

  1. 1941 in Hamburg geboren
  2. Krankenpflege- und Hebammenausbildung in Deutschland und England
  3. 1984-1988  Studium der Pflege- und Erziehungswissenschaft in Manchester
  4. berufliche Tätigkeit im In- und Ausland, u.a. stellv. Direktorin der Agnes Karll Krankenpflegeschule der DBfK
  5. 1988 – 1991 Übernahme des ersten durch das Bundesministerium geförderten pflegerischen Forschungsprojekts in Deutschland: „Der ganzheitliche Pflegeprozess am Beispiel von Apoplexiekranken“.
  6. 1993 – 2000 Professorin für Pflegewissenschaft in Darmstadt
  7. derzeit freiberufliche Dozentin

Monika Krohwinkel leitete ein Forschungsprojekt in dessen Verlauf sie feststellte, dass eine rein auf die Lebensaktivitäten ausgerichtete Pflege nicht ausreicht. Sie ergänzte die Ergebnisse der Pflegemodelle nach Roper, Logan/Tierney und Orem um die „existentiellen Erfahrungen“ des Menschen.

Krohwinkels Modell macht Aussagen zu den vier zentralen Begriffen:
Person: Nach Krohwinkel besitzt jeder Mensch die Fähigkeit zu und das Bedürfnis nach Entwicklung, Wachstum und Selbstverwirklichung sowie nach aktivem Entscheiden, Handeln und Verantworten.

Umwelt: Die Umwelt ist in ihrem Modell die wichtigste externe Komponente für Leben, Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen. Zur Umwelt gehören andere Menschen, ökologische, physikalische, materielle und gesellschaftliche Faktoren und in besonderer Weise die Umgebung, in der Pflege stattfindet.

Gesundheit: Gesundheit und Krankheit werden von Krohwinkel als dynamische Prozesse verstanden. Zur Gesundheit gehört auch die jeweils subjektiv definierte Lebensqualität, die es bei der Pflege zu beachten gilt.
Pflege: Im Mittelpunkt der Pflege steht bei Krohwinkel die Förderung der Fähigkeiten und Ressourcen einer pflegebedürftigen Person in den für sie wesentlichen AEDL-Bereichen. Der Patient soll aktiv in das Pflegegeschehen einbezogen werden und Verantwortung für seine Selbstpflege übernehmen.
Fünf Teilkonzepte:

  1. AEDL Strukturmodell
  2. Pflegerahmenmodell
  3. Pflegeprozessmodell
  4. Pflegemanagementmodell
  5. Modell zum reflektierenden Erfahrungslernen

A) AEDL Strukturmodell:

13 Bereiche = 11 Lebensaktivitäten nach Roper, Logan/Tierney
1. kommunizieren
2. sich bewegen
3. vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten
4. sich pflegen
5. essen und trinken
6. ausscheiden
7. sich kleiden
8. ruhen und schlafen
9. sich beschäftigen
10. sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten
11. für eine sichere Umgebung sorgen

12. Bereich – „soziale Beziehungen und Bereiche sichern und gestalten können“
13. AEDL – „mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen“. Krohwinkel unterscheidet: Existenzfördernde, Existenzgefährdende Erfahrungen und Erfahrungen, die fördernd und gefährdend sein können
Beispiele:
Die Existenz gefährdende Erfahrungen wie:

  1. Verlust von Unabhängigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schmerzen, Sterben

Die Existenz fördernde Erfahrungen:

  1. Wiedergewinnung von Unabhängigkeit, Zuversicht, Freude, Vertrauen, Integration, Sicherheit, Hoffnung und Wohlbefinden.

Erfahrungen, welche die Existenz fördern oder gefährden:

  1. kulturgebundene Erfahrungen wie Weltanschauungen, Glauben und Religionsausübung, lebensgeschichtliche Erfahrungen.

Die AEDL stehen nicht getrennt, sondern immer im Kontext untereinander.

  1. Pflegerahmenmodell:

Grundgedanken:

  1. primär pflegerisches Interesse

Im Mittelpunkt stehen der pflegebedürftige Mensch und seine Bezugspersonen mit ihren Fähigkeiten, Bedürfnissen und Probleme

  1. die primäre pflegerische Zielsetzung

Das vorrangige Ziel der Pflege ist die Erhaltung und Erlangung bzw. Wiedererlangung von Fähigkeiten zur Realisierung und Gestaltung von Unabhängigkeit, Wohlbefinden und Lebensqualität

  1. die primäre pflegerische Handlung

dazu gehört die Kommunikation, die Unterstützung, Ermutigung, Anleitung, Beratung und Förderung

  1. Pflegeprozessmodell

= nach Krohwinkel – Individueller Problemlösungs- und Beziehungsprozess
Der zyklische Prozess verläuft in vier Phasen: Erhebung, Planung, Auswertung, Durchführung

  1. Pflegemanagementmodell

Im Pflegemanagementmodell definiert Krohwinkel die Aufgaben- und Verantwortungsbereiche der Pflege:
Direkte Pflege, Pflegedokumentation und Pflegeorganisation = Entscheidungs-, Durchführungs- und Evaluationsverantwortung liegt bei den Pflegepersonen selbst.
Anderen Aufgaben: Kooperation mit anderen Berufsgruppen, Assistenzfunktion in der medizinischen Diagnostik und Therapie

  1. Modell zum reflektierenden Erfahrungslernen

Charakteristika:

  1. die Bedeutung des Lernens aus Erfahrungen
  2. Pflegekräfte reflektieren ihre Arbeit, erarbeiten Verbesserungsmaßnahmen und probieren diese aus….
  3. Dadurch kommt es zu konstruktiven Veränderungen der Pflegepraxis

Darauf sind wir stolz!
Aufgrund des hohen Engagements unserer Mitarbeiter/innen wurden wir schon zweimal mit dem Pflegeoscar ausgezeichnet. Verliehen wurde uns der Pflegeoscar 2002 für die Einführung von SeLBA und 2004 für das Projekt mit dem Therapiehund „Kai“.

Qualität und Qualitätssicherung sind uns allen ein großes Anliegen! Es werden laufend verschiedene Projekte organisiert.
Im Herbst 2006 wurde das Qualitätsmanagementinstrument „E-Qalin®“ installiert.
Alle Mitarbeiter/innen des Hauses sind im Rahmen der Selbstbewertung an der Erarbeitung von Verbesserungsmaßnahmen involviert.

Seit 2007: "E-Qalin-Qualitätshaus",
seit 2009 ist unsere Arbeit NQZ zertifiziert.